Das OpenLab – die etwas andere Konferenz

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Kai Weber is Lead Technical Writer for financial software. He has been planning and realising software documentation strategies since 2001. With his bent for the cognitive foundations of user assistance, Kai is a renowned speaker and author. He has contributed to tekom/tcworld, STC, and TCUK.
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Ein Bericht über eine OpenLab-Veranstaltung

openlab teilnehmer sitzen in der runde

Wir haben den 5. April 2017. Es ist der Tag vor der tekom-Frühjahrskonferenz in Kassel – eine Veranstaltung die jedes Jahr im Frühling stattfindet und die wichtigsten Themen zur Technischen Kommunikation aufgreift. Allerorts werden Messestände zusammengebaut. Techniker richten Licht, Ton und Beamer ein. Und mittendrin treffen sich mehrere Dutzend Technische Redakteure von jung bis alt, von der Studentin bis zur gestandenen Führungskraft zum informellen, aber dennoch strukturierten Austausch. Zum dritten Mal findet hier dieses OpenLab der tekom als „Unkonferenz“ statt.


Unkonferenzen sind in der US-amerikanischen IT-Szene entstanden, um sich auf das Wesentliche, das Wertvolle zu konzentrieren, die Kaffeepausen. Und das, was währenddessen stattfindet: der ungebremste Austausch von Wissen und Erfahrungen auf Augenhöhe zu Themen, die jetzt wichtig sind. Themeneinreichungen Monate im Voraus sind ebenso verpönt wie „Death by PowerPoint“ durch Frontalpräsentationen. Stattdessen sorgt der spontane, hierarchie-freie Ablauf für eine stimulierende, konstruktive Atmosphäre. Es klingt nach Wundertüte, aber alle Teilnehmer haben den Erfolg selbst in der Hand.


Konkret funktioniert das OpenLab so: Man meldet sich an, gerne auch kurzfristig, damit Räume und Verpflegung ausreichend zur Verfügung gestellt werden können. Die Unkonferenz selbst beginnt mit einer Vorstellungsrunde, wo jede und jeder kurz sagt, welches Thema er oder sie gerne diskutieren möchte. Inhaltlich kommt die ganze Bandbreite von Themen vor. Bei dem OpenLab der tekom waren es zum Beispiel diese Themen:

  • Wie erstelle ich einen praktikablen Redaktionsleitfaden?
  • Wie müsste sich technische Kommunikation an die Zielgruppe der jetzt gerade erwachsenen Millenials anpassen?
  • Wie kann ich einen Brainstorming-Workshop für technische Redakteure durchführen?
  • Wie kann ich ein kniffliges Doku-Projekt angehen?
  • Wie kann ich ohne Content Management System dennoch meinen Content managen?
  • Welche Prinzipien agiler Softwareentwicklung können sich technische Redakteure zunutze machen und wie?

Dabei sind die Vorschläge unterschiedlich ausgereift. Eine Frage, die einem gerade auf der Zunge brennt, genügt, um daraus eine Diskussion von 60 Minuten zu entfachen. Oft werden bereits in der Vorstellungsrunde Schlüsselthemen erkannt. Die Erfahrung trainiert ein Gespür für gute Themen. Dann meldet sich eine innere Stimme und sagt: „Oh, an diesem Thema ist definitiv etwas dran!“ Manchmal ist es das unbestimmte Gefühl, dass man nicht die erste Person sein kann, die auf ein bestimmtes Problem stößt. Und manche Sessions tauchen später ausgereift, nach dem Auswahlprozess, in einer tekom-Tagung im offiziellen Programm auf, nachdem der Grundstein im OpenLab gelegt wurde.

Direkt nach der Vorstellung wird abgestimmt, wie viele Teilnehmer sich für die jeweiligen Themen interessieren: „Würde ich darüber eine Stunde diskutieren wollen – unabhängig davon, was sonst noch angeboten wird?“ Nachdem alle Themen bekannt und abgestimmt sind, werden sie nach der Reihenfolge ihrer Stimmenzahl auf die vorhandenen Räume und Zeitblöcke verteilt, bis alle Sessions gefüllt sind. Nach einer ersten Kaffeepause geht’s los. Die Gesprächsrunden werden eingeleitet.

openlab sessions

Die Sessions sind geprägt von lebhaften Diskussionen, die teilweise kontrovers, aber meistens sehr konstruktiv verlaufen. Für knifflige Fälle steht ein Moderator bereit, sodass man das eigene Thema nicht zwingend moderieren muss und sich in der Diskussion frei beteiligen kann. Flip-Charts, Post-its und Stifte stehen zur Verfügung, um Ablauf oder Ergebnisse festzuhalten, die dann oft per Handy-Fotos festgehalten werden.

 

 

Im Vordergrund stehen beim OpenLab der Erfahrungsaustausch und die Suche nach gemeinsamen Lösungen. Beim informelleren Networking, Stichwort „Kaffeepause“, reisst man Themen mit ein oder zwei Gleichgesinnten meist nur kürzer an. Fachvorträge dagegen sind oft nicht genau genug auf die eigene Fragestellung zugeschnitten. So betonen OpenLab-Veteranen immer wieder als größten Vorteil des Formats, dass man nirgends sonst so schnell und fokussiert Lösungsansätze durch das gebündelte Wissen findet.

[Gesamt:3    Durchschnitt: 3.7/5]

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