(Wie gut) können Computer unsere Welt nachempfinden?

Andreas Guenter
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Andreas Günter ist seit fast 20 Jahren Technischer Redakteur und interessiert sich besonders für die wissenschaftlichen Grundlagen der Technischen Kommunikation und für Managementthemen. Er ist in der tekom-Arbeitsgruppe Information 4.0 und arbeitet bei der Trumpf GmbH + Co. KG in Ditzingen.
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Ein kleiner Test: Beschreiben Sie mal den Geschmack einer Banane ohne das Wort „Banane“ zu verwenden. Ihnen fallen jetzt Eigenschaften wie „süß“ oder „fruchtig“ ein, doch Sie kommen nicht an den Punkt den Geschmack konkret in Worte zu fassen. Der Bestandteil aller Sinneswahrnehmungen ist der subjektive Eindruck, den Sie haben. Ein Gefühl, eine Wahrnehmung, die wir schwer in Daten und Fakten ausdrücken können und deswegen für Computer so schwer zu greifen sind. Im Fachjargon werden diese Eindrücke „Qualia“ genannt. Qualia sind der Grund, weshalb Roboter uns Menschen in Puncto Wahrnehmung wohl nie gänzlich das Wasser reichen werden können..

Andreas Günter befasst sich intensiv mit dem Thema der Künstlichen Intelligenz (KI) und wird uns seinen Eindruck schildern:

Besonders Philosophen tun sich in der Debatte über KI mit Skepsis hervor. Sie glauben, dass es bestimmte Qualia gibt, die das subjektive Empfinden ausmachen und dieses Empfinden werde eine KI niemals haben, genauso, wie wir niemals wissen können, wie es ist, eine Fledermaus zu sein. Was die Qualia ausmachen, ist, dass sie nicht mitteilbar sind, sie sind subjektiv und existieren für jeden Menschen individuell. Wir essen beispielsweise eine Pizza und können den Geschmack bestimmten Kriterien zuordnen. Das können mittlerweile auch Roboter. Der Unterschied ist das „Geschmackserlebnis“, das wir haben und der Roboter (bislang) nicht. Aber dies geht an der eigentlichen Frage vorbei, denn wir sehen in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz die historische Aufspaltung von Intelligenz und Bewusstsein. Bisher war dies immer untrennbar miteinander gekoppelt, alles, wozu Intelligenz notwendig war, ging immer auch mit Bewusstsein einher. 

Doch KI ist intelligent, aber ohne Bewusstsein. 

Also müsste die Frage lauten, ob eine Maschine Content „verstehen“ kann. Und als Beispiel könnten wir gleich die Bedeutung der Farbe Rot nehmen, weil das ja eigentlich genau diese subjektive Wahrnehmung tangiert. Ein Mensch kann alles aufschreiben, was ihm zur Farbe Rot einfällt: sie bedeutet Blut, Liebe, Halt an der Ampel, Gefahr, Leben, Verletzung, Feuer usw. usf. Aber irgendwann wäre er damit zu Ende. Und sein ganzes Wissen dazu könnte man auch in Metadaten zur Farbe Rot packen. In einer Farbphilosophie würde dann wiederum stehen, was Rot für den Menschen alles bedeutet.

Damit könnte eine Maschine verstehen bzw. lernen, was Rot bedeutet (sogar kulturabhängig, denn vielleicht bedeutet es in Ghana Trauer).Wenn wir also vom Empfinden und dem Bewusstwerden dieser Empfindung absehen, müssten wir sagen, dass die intelligente Maschine die Farbe Rot verstehen kann. Metadaten und Ontologien können so alle möglichen Gebiete durch intelligente Informationen und damit durch Wissen abbilden. Vielleicht noch ein Gedanke zur kulturellen Einbettung dieser Entwicklung: Früher sprach man nicht von Intelligenz, sondern von Vernunft oder Verstand. Die Vernunft wurde im 18. Jahrhundert unter anderem von Immanuel Kant entdeckt. Sie wurde im Verlauf der Aufklärung und der Französischen Revolution bis hin zur Moderne geradezu verherrlicht. Jetzt setzt sie in Form der Künstlichen Intelligenz zu einem neuen Höhenflug an. Allerdings gab es auch im 19. Jahrhundert schon eine Gegenbewegung: die Romantik. Und wir werden möglicherweise ebenfalls eine neue Romantik der Innerlichkeit und Spiritualität erleben, während die Künstliche Intelligenz unsere Welt umformt.

Lesen Sie wie Künstliche Intelligenz Content erstellt auch von Andreas Günter.

 

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