Beitragsserie: Verliebt in meinen IT-Job (3) – Martin Häberle

Unsere Beitragsserie: Verliebt in meinen IT-Job

In unserer Beitragsserie gewähren Menschen verschiedener Alters- und Berufsgruppen einen Einblick in ihren Beruf in der IT-Branche. Sowohl Einsteiger, Studenten als auch langjährige Berufserfahrene teilen ihre Motivation und Erfahrung im Beruf, bestätigen das ein oder andere Vorurteil oder entkräften es.

Heute im Interview: Martin Häberle fing 2006 als Technischer Redakteur an. Heute ist er im Technischen Marketing tätig und betreibt seit 10 Jahren seinen eigenen Blog zum besseren Schreiben. Er sieht sich als Vermittler zwischen Technik und Anwender, begeistert sich demnach für technische Themen und möchte Technik verständlich und interessant an den Leser bringen. Woher kam diese Begeisterung? Sollte das sein Traumjob sein, was zeichnet der Job für ihn aus? Und wie stellt sich Martin seine Zukunft vor?

Du bist im Technischen Marketing tätig und hast an der Publikation eines Sachbuchs mitgewirkt. In den Sozialen Netzwerken bist du Teil des Diskurs rund ums Stichwort #techcomm. Ist eine technikaffine Richtung der Weg, den du schon immer einschlagen wolltest, der Weg, der zu deinem Traumjob geführt hat?

Martin: Vorneweg – den einen Traumjob gibt es für mich nicht. Vielmehr liebe ich die Abwechslung, verschiedene Rollen wahrzunehmen und meine unterschiedlichen Potenziale zu nutzen. Diese Vielseitigkeit konnte ich im Studium und später im Beruf als Technischer Redakteur optimal einbringen.

Eine gewisse Affinität zu Technik sollten Berufseinsteiger in der Technischen Kommunikation schon mitbringen, denn ansonsten gestaltet sich ihre Arbeit eher mühsam und sie laufen Gefahr, von Ansprechpartnern nicht ernst genommen und als „bessere Tippse“ oder als „Leertexter“ gesehen zu werden. Wer aber bereit ist, sich in die Materie – in meinem Fall stark erklärungsbedürftige Enterprise-Software – hineinzudenken und dafür die notwendige Ausdauer mitbringt, wird immer öfter mit Respekt und Entgegenkommen belohnt.

Das Technische Marketing unterscheidet sich tatsächlich weniger von der Technischen Redaktion als man im ersten Moment vermuten könnte. Denn auch hier sind alle erlernten Methoden, Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt und ausgebildete Technische Redakteure besitzen sogar einen klaren Vorsprung gegenüber klassischen Marketeers. Der Fokus verändert sich jedoch: Vom „Was“ und „Wie“ von technischen Details oder Handlungsschritten hin zum „Warum“. Denn nun gilt es nicht mehr Nutzern, sondern potenziellen Kunden überzeugende Antworten zu liefern über den Mehrwert des Produkts und dessen Anwendungmöglichkeiten.

Wir möchten uns deinen Job gerne konkreter vorstellen. Kannst du einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Martin: Da ich in einer relativ kleinen Firma arbeite, bin ich (glücklicherweise) in mehreren Rollen gleichzeitig tätig – vom Aktualisieren der Website über die Zusammenarbeit mit den Produktmanagern, dem Verfassen von Anwenderberichten, der Organisation von Events, dem Lektorat bis hin zur Videoproduktion. Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir also nicht.

In jedem Fall ist viel Abstimmung mit den Beteiligten erforderlich – Produktmanagern, Entwicklern, Vertrieb, Kunden etc. Das bedeutet oft jede Menge Besprechungen, beispielsweise vor anstehenden Software-Releases. Dann gilt es die wichtigsten Features zu identifizieren und in Abstimmung mit der Technischen Redaktion einen Kommunikationsplan auszuarbeiten. Daraus entstehen dann in den Folgewochen systematisch z.B. Print-Dokumente, Webseiten, News und Videos.

Was hat dich in dem Beruf besonders überrascht? 

Martin: Im Studium sind Themen wie Standardisierung, Terminologiemanagement, spezielle Autorenwerkzeuge oder ein definiertes Berufsbild allgegenwärtig. Doch „da draußen“ weiß oft niemand etwas mit dem Begriff „Technischer Redakteur“ anzufangen, ebensowenig dessen Bedarf („Das kann man studieren? Schreiben kann doch jeder!“) oder den Mehrwert eines solchen Berufsbilds jenseits des „Hübschmachens“ von Entwicklertexten. Methodisches Vorgehen und Marketing in eigener Sache sind also unerlässlich, wer im Job einen Unterschied machen möchte.

Glaubst du, dass speziell die jüngere Generation die treibende Kraft für neue Innovationen und Entwicklungen wie Industrie 4.0 ist?

Martin: Derzeit besetzt überwiegend die Generation der sogenannten „Baby Boomers“ bei uns die Führungspositionen. Sie bringen als „Digital Immigrants“ oft wenig Gespür fürs Digitale mit und bewahren eher den Bestand, als Neues zu wagen. Für Jungredakteure aus meiner Generation, der sogenannten „Generation Y“, können deshalb langwierige Entscheidungsprozesse und unflexible Organisationsstrukturen durchaus frustrierend wirken. Oftmals wird es viel Mühe und Ausdauer erfordern, neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen und neue Technologien und Methoden zu erproben.

Früher oder später werden die Jungen aber zum Zug kommen und dann könnte vieles anders werden: flache Hierarchien, agile Arbeitsmethoden und schlanke Prozesse, kollaborative und niederschwelliger nutzbare Autorenwerkzeuge und nicht zuletzt der Fokus auf mehr Sinn stiftender und nachhaltiger Arbeit.

Ob dies so kommen wird, oder ob sich die junge Generation zu angepassten, passiv-reaktiven Jasagern entwickelt, wird sich zeigen. Im letzteren Fall brauchen wir uns aber nicht zu wundern, wenn unser Berufsstand wie viele alte Geschäftsmodelle von der allgegenwärtigen „Disruption“ erfasst wird und sich damit selbst obsolet macht.

Eine meist unbeliebte Frage – gerade dann, wenn noch vieles offen steht: Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Martin: Mich persönlich interessiert neben dem „Was“, d.h. die technischen Inhalte, schon immer auch das „Wie“ – also Herangehensweisen, Werkzeuge und Konzepte für die Technische Kommunikation. Vermutlich wird sich also meine Arbeit zukünftig weiter weg von der Tastatur hin zu noch mehr Konzeption, Beratung und Lehre und zur Arbeit mit noch mehr Menschen führen. Zunächst gibt es für mich außerdem noch viele „Warum“-Fragen zu beantworten …

Zum Abschluss: Was würdest du Berufseinsteigern und Studienanfängern empfehlen, die dieselbe oder eine ähnliche Richtung wie du einschlagen möchten?

Martin: Ein Studium der Technischen Kommunikation ist aus meiner Sicht die ideale Basis für eine große Bandbreite von Berufen – beispielsweise im technischen Marketing, Produktmanagement, (IT-)Consulting oder in der Medienproduktion. Diesen Eindruck teilen auch viele andere Absolventen. Mit diesem soliden Fundament empfehle ich, gezielt durch Praktika und ggf. auch unternehmensinterne Jobwechsel den eigenen Horizont stetig zu erweitern, bis man „sein Ding“ gefunden hat. Das fällt Technischen Redakteuren oft leichter als anderen Absolventen z.B. aus reinen Medien- oder Ingenieursstudiengängen. Und falls es einmal nicht (mehr) passen sollte, dann geht die spannende Reise eben weiter …

 

Vielen Dank, Martin, für dieses interessante Interview und für die Tipps, die du für Einsteiger genannt hast. Wir sind gespannt wohin es dich in den nächsten 10 Jahren bewegt. Für die Zukunft wünschen wir dir viel Erfolg!

 

Unsere Beitragsserie: Verliebt in meinen IT-Job

 

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Helena Maier
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Helena Maier

Helena Maier ist Mitarbeiterin bei der tcworld und ist verantwortlich dafür, dass dieser Blog regelmäßig mit Artikeln rund um das Thema Intelligent Information befüllt wird.
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