flyAI – Künstliche Intelligenz versorgt Fliegen

Fliegen krabbeln wild in einer durchsichtigen Plastikkugel und werden dabei von einer Kamera beobachtet. Sobald die Kamera die Fliege als Fliege erkennt, erhält das Insekt Nahrung über eine Pumpe. Diese Information wird über eine maschinelle Stimme vorgelesen…

Ein beunruhigendes Szenario? Die spezielle Installation heißt flyAI und wurde vom Künstler David Bowen konstruiert. Die Installation schafft eine Situation, in der das Schicksal einer Kolonie lebender Stubenfliegen durch die Genauigkeit der KI-Software bestimmt wird.

Das Video zu flyAI von David Bowen

Die Installation verstehen

Schritt 1: Die Bilderkennungssoftware erkennt, ob eine Fliege im Sichtfeld der Kamera ist. Wird eine Fliege erkannt, schießt die Kamera ein Bild. Dies ist z.B. mit OpenCV möglich, eine freie Programmbibliothek mit Algorithmen zur Gesichts- oder Objekterkennung.

Schritt 2: Die Software für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen von Google (TensorFlow) klassifiziert und analysiert das geschossene Bild.

Schritt 3: Das Bild wird den fünf wahrscheinlichsten Dingen zugeordnet, die die Bilderkennungssoftware erkennt. Es wird eine Liste mit der Rangordnung 1 bis 5 erstellt.

Schritt 4: Wenn die „Fliege“ als Nummer 1 auf der Liste eingestuft wird und damit wahrscheinlich wirklich eine Fliege vor der Linse ist, liefert eine Pumpe Wasser und Nährstoffe an die Kolonie.

Schritt 5: Die Fütterung wird von einem RasPi gesteuert, ein Einplatinencomputer, der oftmals als Heimcomputer zum Experimentieren und Programmieren verwendet wird.

(Schritt 6:) Wenn die „Fliege“ nicht auf Platz 1 steht, liefert die Pumpe kein Wasser und keine Nährstoffe an die Kolonie.

 

Er ließ sich für diese Idee inspirieren …

… als er Nick Bostroms Buch „Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution“ las. In dem Buch skizziert der Autor mögliche Szenarien, wie die Geburt der Superintelligenz vonstattengehen könnte, und widmet sich ausführlich den Folgen dieser Revolution. Neben Chancen gibt es auch Risiken, die uns in Bezug auf KI bewusst sein müssen.

Wir tragen eine Verantwortung,
wenn wir darüber entscheiden,
wo wann und wie Künstliche Intelligenz
entscheiden darf.

In der Fachzeitschrift MagPi erklärt der Fliegen-Experimentator David in der Juli-Ausgabe mehr dazu wie er zu der Idee kam, und zum Verlauf des Projekts.

 

David experimentierte sechs Wochen. Die Resultate sind interessant:

Die Fliegen leben bis zu 40 Tage und damit länger als in der Natur. Laut David können sich die Fliegen sogar in der Kugel vermehren, wenn die Pumpe die richtige Brutkondition zur Verfügung stellt.

So könnte eine Erweiterung aussehen: Eine Erweiterung des Projekts ist bereits im Kopf. David sieht die Möglichkeit, verendete Fliegen womöglich als Rohstoff für eine mikrobische Brennstoffzelle zu verwenden, die später den Computer RasPi mit Strom versorgt. Maschinenlernen sei auch eine Option, um die Bilderkennung weiter zu verbessern.

 

Sollte die Ideen umgesetzt werden, wäre die Installation in der Lage, sich komplett selbst zu versorgen …

 

 

[Gesamt:1    Durchschnitt: 4/5]

Spread the word. Share this post!